Vom 14. bis 29. Oktober 2025 fand die Alkorfahrt AL642 statt. AL642 untersucht versenkte Munition im Rahmen von gleich drei Forschungsprojekten: neben CONMAR-II sind das MuniRisk: ein Projekt, das das Problem von mariner Munition und dessen Risikoeinschätzung auf Stakeholder Ebene in der europäischen Ostseeregion adressiert; und MMinE-SwEEPER, das größte der drei Projekte. Hier geht es um die technischen Entwicklungen im Bereich der Munitionsdetektion und Robotik, aber auch Wissenstransfer und Stakeholder-Aktivitäten, sowie die Konzipierung einer europäischen Lösung. Auf dem ersten der zwei Legs wurde ein Verklappungsgebiet von chemischer Munition nordöstlich von Bornholm untersucht. Während einem kurzen (2h) und zwei langen (20h) Tauchgängen mit AUV ‘Abyss‘ sowie zwei kürzeren Missionen mit dem AUV ‘Albert‘, wurde ein erheblicher Anteil des offiziell ausgewiesenen Versenkungsgebietes kartiert. Da der Meeresboden hier homogen aus weichem Sediment besteht, konnten harte Kontakte in den Backscatterdaten sehr gut abgebildet werden. Im gesamten kartierten Gebiet sind einzelne harte Kontakte sichtbar und ROV Tauchgänge zeigen, dass es sich dabei um Bomben handelt, die zum Teil sehr stark korrodiert sind. Oft sind nur noch die Leitwerke und 250kg Bomben zu sehen, neben gelblich/orangenen Brocken von eingekapseltem Kampfstoff wie etwa Senfgas. Ist das Senfgas nicht gefährlich? Nein, Senfgas hydrolisiert sehr schnell (Halbwertszeit von 15 Minuten) zu ungiftigen Substanzen, sodass ein bloßes Anschauen keine Gefahr birgt. Nach erfolgreichen vier Tagen musste die ALKOR allerdings in Rönne auf Bornholm Unterschlupf suchen, weil zu starke Winde aus nördlicher Richtung genau über dem Arbeitsgebiet das Arbeiten mit AUVs und ROVs unmöglich gemacht hätten. Dann ging es weiter. Es wurde das AUV ‘Abyss‘ zu einem weiteren 20h Tauchgang über Nacht ausgesetzt. Ferner wurde ein CTD Grid über das gesamte Bornholm Becken beprobt, um potentielle Kontaminationen mit TNT und anderen Sprengstoffen zu evaluieren. Dann kam das AUV ‘Luise‘ zum Einsatz. ‘Luise‘ erkundete Cluster von Bomben photogrammetrisch. Gleichzeitig wurden mit ‘Luise‘ auch magnetische Untersuchungen angestellt, um eine Idee davon zu bekommen, ob größere Munitionskörper auch im Sediment vergraben sind. Erste Sichtung der Fotos zeigen stark korrodierte Kampfmittel. Die Bilder werden derzeit zu einem Photomosaik und ein DTM (Digital Terrain Model) verrechnet. Auf den Weg zurück gab es noch einen kurzen Stopp an der Sprengstelle der NordStream I Pipeline. Dort sollen die Umweltbedingungen vor Ort, 3 Jahre nach der Sprengung dokumentiert werden In der zweiten Woche wurde in der Lübecker Bucht untersucht, welche Auswirkungen der Piloträumungen von August dieses Jahres auf die Meeresumwelt haben.
Mareike Keller, GEOMAR
Links: AUV Abyss an Deck der ALKOR (links) und chemisches Kampfmittel im Bornholmbecken (rechts)
Rechts: CTD an Deck der ALKOR (links) und ein Blick ins Trockenlabor auf der ALKOR als AUV Zentrale (rechts)